Das Musée d’Orsay in Paris hat zu seinem 40-jährigen Jubiläum eine besondere Schenkung erhalten: eine Keramikmaske des französischen Bildhauers Jean Carriès (1855–1894). Die Maske, um 1890 entstanden, wurde dem Museum von dem Londoner Skulpturenhändler Stuart Lochhead geschenkt. Sie besteht aus emailliertem Steinzeug und verbindet Elemente der französischen Neugotik mit Einflüssen japanischer Keramik, die Carriès 1878 auf der Pariser Weltausstellung kennengelernt hatte.
Carriès war von den technischen Herausforderungen des Brennens von glasiertem Steinzeug fasziniert. Im Jahr 1888 zog er in das Dorf Saint-Amand-en-Puisaye, das für seine Töpfertradition bekannt ist. Dort fertigte er diese Maske an. Das Werk zeigt die Verschmelzung von gotischen Formen und japanischer Technik, was es zu einem besonderen Beispiel für den kulturellen Austausch im späten 19. Jahrhundert macht.
Parallel dazu hat die Art Gallery of South Australia in Adelaide ein bedeutendes Gemälde erworben: ein Porträt von Königin Elisabeth I. von England aus dem 16. Jahrhundert. Das Gemälde stammt von einem unbekannten Künstler der British School und ist das erste Porträt der Tudor-Königin, das in eine öffentliche australische Sammlung aufgenommen wurde.
Das Ölbild auf Holz misst 37 mal 27 Zentimeter und ist in einen sogenannten engaged frame gefasst, bei dem der Rahmen aus demselben Holzstück wie die bemalte Oberfläche geschnitzt ist. Unter dem Porträt befindet sich ein Vers, der Elisabeth I. selbst zugeschrieben wird: „Christ was the word that spake it: He took the bread and brake it: And what his word did make it: That I believe and take it.“
Das Porträt wird künftig in der Galerie neben einem Bild von Elisabeths Vater, König Heinrich VIII., ausgestellt. Die Galerie hebt hervor, dass es sich um das erste Tudor-Porträt in einer öffentlichen australischen Sammlung handelt. Das Werk bietet einen neuen Zugang zur englischen Monarchie für das australische Publikum.
Die Maske von Carriès im Musée d’Orsay steht beispielhaft für die Verbindung europäischer und asiatischer Kunsttechniken des 19. Jahrhunderts. Die Schenkung unterstreicht die Bedeutung internationaler Kontakte und den Einfluss globaler Kunstrichtungen auf einzelne Künstler.
Beide Neuerwerbungen erweitern die Sammlungen der jeweiligen Museen um bedeutende Werke. Sie bieten den Besuchern die Möglichkeit, Kunstwerke mit besonderer historischer und kultureller Bedeutung aus nächster Nähe zu erleben und eröffnen neue Perspektiven auf die Geschichte der Kunst.
Warum das wichtig ist