Neun Schweizer Museen haben ein gemeinsames Projekt gestartet, um die Herkunft von mehr als 6’300 Objekten aus Kamerun zu untersuchen. Für diese Forschung wurde ein Betrag von 100’000 Franken bewilligt. Die beteiligten Institutionen befinden sich in Basel, Bern, Burgdorf, Genf, Lausanne, Neuchâtel, Winterthur und Zürich. Zu den Museen zählen unter anderem das Museum der Kulturen Basel, das Musée d’ethnographie de Genève und das Bernische Historische Museum.
Die Objekte stammen aus unterschiedlichen historischen Kontexten. Ein Teil wurde durch Missionare der Basler Mission gesammelt, die während der deutschen Kolonialzeit in Kamerun aktiv waren. Weitere Stücke gelangten durch Forschungsreisen während der französischen und britischen Mandatszeit in die Sammlungen, während andere über Kunst- und Ethnographikamärkte erworben wurden. Die Sammlungen umfassen Artefakte von mehr als 320 ethnischen und kulturellen Gemeinschaften Kameruns.
Isabella Bozsa, Provenienzforscherin am Museum der Kulturen Basel, verweist auf bereits laufende Projekte in Deutschland, die das Material aus Kamerun untersucht haben. Diese Arbeiten haben das Wissen über die in Europa befindlichen Objekte erweitert und das Interesse in Kamerun selbst gesteigert. Das Schweizer Projekt setzt auf Zusammenarbeit mit Partnern in Kamerun, um unterschiedliche Perspektiven und Wissen einzubeziehen. Die Kooperation soll sowohl in den Schweizer Museen als auch vor Ort in Kamerun stattfinden.
Legrand Tchatchouang, ein Vertreter der Zivilgesellschaft und Prinz des Bangoua-Häuptlingstums in Kamerun, betont die Bedeutung, kamerunische Sichtweisen in die Forschung einzubeziehen. Er weist darauf hin, dass allein die Bangoua-Gemeinschaft mit über 300 Objekten in Schweizer Museen vertreten ist, darunter auch Gegenstände der traditionellen Medizin, die von der Schweizer Ärztin Josette Debarge gesammelt wurden. Einige Objekte, wie etwa Fetische, die einst im Widerstand gegen die Kolonisation genutzt wurden, haben heute keine Funktion mehr in der kamerunischen Gesellschaft.
Das Projekt orientiert sich an Modellen wie der Benin-Initiative Schweiz, die eine enge Zusammenarbeit zwischen Schweizer Museen und Herkunftsländern fördert. Die beteiligten Museen sehen die Vernetzung der Sammlungen und die regionalen Überschneidungen als wichtige Aspekte der Forschung. Ziel ist es, die Provenienz der Objekte transparent zu machen und einen Dialog zwischen den beteiligten Kulturen zu ermöglichen.
Warum das wichtig ist